Ahnenzeremonie – Jesa(제사) oder Charye(차례)

Jesa(제사) ist eine Ahnenzeremonie. Wir beten am Seollal(설날, Neujahrstag am 1. Jänner des chinesischen Mondkalenders), Chuseok(추석, Erntedankfest am 15. August des chinesischen Mondkalenders) und am Jahrestag des Todes für unsere Vorfahren. Seollal und Chuseoks Zeremonie Jesa heißt auch Charye(차례).

Am Seollal und Chuseok machen wir morgens die Zeremonie, aber am Jahrestag des Todes unserer Vorfahren am Abend oder in der Nacht.

Warum beten wir dann für unsere Vorfahren? Weil wir vom Konfuzianismus beeinflusst wurden. Ein Schwerpunkt des Konfuzianismus ist die kindliche Pietät. Man muss den eigenen Eltern und Vorfahren dankbar sein und sie ehren. (Der Konfuzianismus kam aus China, hatte aber nach der Kulturrevolution (1966 – 1976) dort keine solche traditionelle Zeremonie mehr, nur in Korea.)

Aus diesem Grund fahren wir am Vortag von Seollal und Chuseok in unseren Heimatort, wo die Eltern oder Großeltern wohnen. Es gibt immer viel Stau und die Zug- und Bustickets sind schon lange im Voraus ausverkauft. Manche sagen auch ,,die koreanische Völkerwanderung‘‘ dazu.

<Viel Stau auf der Autobahn>

Am Vortag bereiten wir dann alles für die Zeremonie vor. Die wichtigste Speise dabei ist eine Reiskuchensuppe für Seollal und ein Reiskuchen mit Sesamfüllung für Chuseok.

Am Seollal und Chuseok ziehen wir morgens die traditionelle, koreanische Tracht Hanbok(한복) an und bereiten den Esstisch vor. Normalerweise essen Koreaner gerne scharfes Essen und Knoblauch, aber für das zeremonielle Essen darf kein Chili oder Knoblauch verwendet werden, weil die Geister der Ahnen die rote Farbe und den Knoblauch hassen.

Es gibt auch eine eigene Regel, welches Essen wo am Tisch stehen muss, aber sie ist sehr kompliziert, also schaut mein Vater in einem Buch nach und ordnet dann das Essen.

Wenn alles fertig ist, machen wir die Haustüre ein bisschen auf, während wir das Ritual machen, damit die Geister der Vorfahren ins Haus kommen und essen können.

Danach machen wir zweimal eine traditionelle Verbeugung(절) bis zum Boden, normalerweise machen wir  so eine Verbeugung nur zu speziellen Anlässen für unsere Eltern oder Großeltern, und dann auch nur einmal, aber für die Geister der Ahnen machen wir sie zweimal.

Wenn die Zeremonie fertig ist, beginnen wir mit dem Essen, nachdem sich die Geister bereits satt gegessen haben.

Machen alle Koreaner die Ahnenzeremonie?

Die Antwort ist ,,NEIN‘‘. Warum?

Natürlich machen die meisten Koreaner dieses Ritual, aber einige tun es nicht. Dann müssen wir über die koreanische Religion sprechen, die so kompliziert ist, dass ich später darüber sprechen werde. Buddhismus, Katholizismus und Protestantismus sind die Hauptreligionen in Korea, und es gibt viele andere Religionen, darunter auch Muslime. Da der Buddhismus ohnehin eine östliche Religion ist, ist es kein Problem für die Ahnenzeremonie, aber Katholizismus und Protestantismus sind westliche Religionen. Die Katholiken übernahmen die koreanischen Kultur, um Essen für unsere Vorfahren zuzubereiten, aber anstatt sich zu verbeugen, beten sie.

Einige Protestanten und Muslime lehnen es jedoch ab, weil es Götzendienst ist. Ein Freund, der in einer protestantischen Familie aufgewachsen ist, weiß vielleicht überhaupt nichts von dieser Ahnenzeremonie.

Am Seollal machen wir Sebae(세배) nach der Zeremonie und vor dem Frühstück. Sebae(세배) ist ein koreanischer Neujahrsgruß. Wir verneigen uns vor unseren Eltern und Großeltern und begrüßen das neue Jahr. ,,새해 복 많이 받으세요. Bekommen Sie viel Glück im neuen Jahr.‘‘ Dann bekommen wir das Neujahrsgeld Sebaetdon(세뱃돈) wie Weihnachtsgeld.

<Sebae(세배)>

Nach dem Frühstück mit dem Neujahrsessen Tteokguk(떡국) gehen wir zu unseren Verwandten, um sie zu begrüßen und um das Neujahrsgeld Sebaetdon(세뱃돈) abzuholen.